Erwerb der Zusatzbezeichnung „Psychoanalyse“ für Ärzte mit verhaltenstherapeutischer Fachkunde oder ohne psychotherapeutische Vorbildung

(Dauer 5 Jahre)

Für Fachärzt/-innen mit verhaltenstherapeutischer Fachkunde sowie für Kolleginnen und Kollegen ohne psychotherapeutische Vorbildung bietet das IPP die Möglichkeit, in einer fünfjährigen Weiterbildung nach Ärztekammervorgaben die Zusatzbezeichnung „Psychoanalyse“ zu erwerben. Der Abschluss dieser Weiterbildung berechtigt Sie, sowohl analytische als auch tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie durchzuführen.

 

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Voraussetzungen

Voraussetzung für den Erwerb der Zusatzbezeichnung „Psychoanalyse“ ist eine abgeschlossene Facharztweiterbildung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung. In der Regel ist außerdem der Nachweis einer psychiatrischen Fachkunde erforderlich, wenn Sie den Facharzttitel nicht in den Gebieten „Psychiatrie“ oder „Psychosomatische Medizin“ erworben haben. Die Bestimmungen hierzu sind in den Ärztekammern unterschiedlich. Bitte wenden Sie sich wegen weiterer Informationen hierzu an Ihre Ärztekammer oder nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die auch Erwachsene psychotherapeutisch behandeln wollen, verweisen wir auf unser Angebot 4.

Weiterbildungsverlauf / Lehrinhalte

Die kombinierte Weiterbildung für die Zusatzbezeichnung „Psychoanalyse“ nimmt fünf Jahre in Anspruch und besteht entsprechend der Vorgaben der Ärztekammern aus einem theoretischen und einem praktischen Teil sowie der die gesamte Weiterbildung begleitenden Lehranalyse. Das folgende Schema gewährt einen ersten Überblick:

Ablauf der fünfjährigen kombinierten Weiterbildung für Fachärzte ohne tiefenpsychologische Fachkunde

Theorie

In den Seminaren des ersten Weiterbildungsabschnitts werden Sie in grundlegende psychoanalytische und psychodynamische Begriffe, Konstrukte und Theorien eingeführt. Dieses Seminarangebot organisieren wir zusammen mit dem Heidelberger Institut für Tiefenpsychologie (HIT).

Nach einer internen Zwischenprüfung erfolgt die weitere Theorievermittlung in einem dreijährigen Zyklus, der aus insgesamt fünfzehn Modulen (Blockseminaren) besteht. In jedem dieser Module wird jeweils ein psychoanalytisches Schwerpunktthema umfassend und aus unterschiedlichen Perspektiven behandelt. Pro Jahr können fünf Module belegt werden, die sich in einen Wochenblock (40 Std.) sowie bis zu vier Wochenendseminare (à 16 Std.) aufteilen. Ergänzend finden während der Modulblöcke und fortlaufend kasuistisch-technische Seminare statt, in denen Sie Ihre Behandlungserfahrungen mit anderen Teilnehmer/-innen diskutieren und reflektieren können.

Zusammen mit dem Selbststudium von ca. 30 Stunden kommen pro Jahr 80 bis 134 Theoriestunden zusammen; in drei Jahren insgesamt 400 Stunden. Dieser Umfang entspricht den Vorgaben der Ärztekammern.

Die Theoriemodule sind als Zyklus konzipiert; daher ist grundsätzlich auch eine zeitlich flexiblere Gestaltung der Weiterbildung möglich. Zu Fortbildungszwecken sind Seminarblöcke auch einzeln buchbar; hier ist die Zahl der Teilnehmer/-innen jedoch begrenzt.

Die folgende Übersicht entspricht dem derzeitigen Stand des Curriculums; Änderungen sind vorbehalten. Gern stellen wir Ihnen auf Anfrage ausführlichere Informationen zu Verfügung.

Erstes Weiterbildungsjahr 

1. Wochenendmodul

Psychoanalytische Grundbegriffe, Erstinterview

2. Wochenendmodul

Operationalisierte psychodynamische Diagnostik (OPD)

3. Wochenendmodul

Ethik, analytische Haltung und analytische Situation

Wochenmodul

Psychische Entwicklung / Entwicklungspsychologie

4. Wochenendmodul

Übertragung und Gegenübertragung

Zweites Weiterbildungsjahr 

1. Wochenendmodul

Abwehr und Interventionsformen

2. Wochenendmodul

Das Unbewusste / Traumarbeit

3. Wochenendmodul

Psychosomatik, Welterleben, Körper

Wochenmodul

Psychoanalytische Schulrichtungen

4. Wochenendmodul

Soziale Einflüsse auf psychische Leiden

Drittes Weiterbildungsjahr 

1. Wochenendmodul

Identität(en) aus psychoanalytischer Sicht

2. Wochenendmodul

Sexualität

3. Wochenendmodul

Wissenschaft und Profession

Wochenmodul

Behandlungstechniken / Interventionen

4. Wochenendmodul

Berufspraxis Psychoanalyse

 

Die Theorievermittlung während der Wochenenden wird durch Falldiskussionen ergänzt; außerdem kommen natürlich auch audiovisuelle Medien wie Filme zum Einsatz. Eine Literaturliste erleichtert Ihnen das vor- und nachbereitende Selbststudium.

Praxis

In den ersten zwei Jahren der Weiterbildung führen Sie zwanzig psychoanalytische Erstinterviews durch. Die Supervision erfolgt durchLehranalytiker/-innen bzw. Supervisor/-innen, die von der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) anerkannt sind. Diese gehören in aller Regel dem Institut an. In begründeten Fällen (entfernter Wohnort) ist auch eine Supervision in Wohnortnähe bei Lehranalytiker/-innen oder Supervisor/-innen möglich, die von der DGPT anerkannt, aber nicht Mitglied unseres Instituts sind.

Nach der Zwischenprüfung beginnen Sie mit den Ausbildungsbehandlungen, und zwar sowohl mit analytischer, als auch mit tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie. Insgesamt sind 1000 Behandlungsstunden zu erbringen. Auch hier erfolgt die Supervision durch von Ihnen ausgewählte und von der DGPT anerkannte Lehranalytiker/-innen bzw. Supervisor/-innen. Die Abrechnung erfolgt über unsere Institutsambulanz, wobei wir das Stundenhonorar nach Abzug einer Betriebskostenpauschale an Sie weitergeben.

Lehranalyse

Die Weiterbildungsrichtlinien der Ärztekammern zum Erwerb der Zusatzbezeichnung „Psychoanalyse“ schreiben 250 Stunden Selbsterfahrung als Lehranalyse mit einer Frequenz von drei Stunden pro Woche vor. Wir empfehlen jedoch, die Lehranalyse während der gesamten Weiterbildung begleitend durchzuführen, da erfahrungsgemäß im Verlauf der hochfrequenten Ausbildungsbehandlungen intensive eigene Affekte mobilisiert werden können. Hier ist es hilfreich, wenn ein von der Weiterbildung weitestgehend unabhängiger Reflexionsraum besteht.

Die Lehranalyse wird ab der Zulassung zur Weiterbildung anerkannt und erfolgt in aller Regel bei Lehranalytikern des Instituts. Auch hier gilt wie bei Supervisionen, dass in begründeten Fällen (entfernter Wohnort) Lehranalytiker/-innen, die von der DGPT anerkannt, aber nicht Mitglied des Instituts sind, gewählt werden können. Selbstverständlich wählen Sie Ihre Lehranalytiker/-innen selbst. Mit ihm bzw. ihr besprechen Sie auch alle weiteren Einzelheiten des Ablaufs Ihrer Lehranalyse. Die Gegenfinanzierung der Kosten für Ihre Lehranalyse ist durch das Honorar gewährleistet, was Sie durch die Ausbildungsbehandlungen erzielen. (vgl. Kostenübersicht).

Dauer und Abschlussprüfungen

Der erste Teil der Weiterbildung dauert in der Regel zwei Jahre. Dieser Zeitraum wird benötigt, um sich in die Theorie einzuarbeiten, mit den Erstinterviews erste praktische Erfahrungen zu sammeln und zu reflektieren, sowie mit der Lehranalyse zu beginnen.

Die institutsinterne Zwischenprüfung orientiert sich an der schriftlichen Ausarbeitung eines solchen Erstinterviews. Ziel ist es dabei, die konkrete zwischenmenschliche Situation im Erstinterview mithilfe des theoretischen Wissens zu reflektieren.

Die fünfzehn Module des zweiten Weiterbildungsabschnitts sind auf einen Zeitraum von drei Jahren verteilt. Nicht immer gelingt es, alle Ausbildungsbehandlungen innerhalb dieser drei Jahre abzuschließen. Vor allem die analytischen Langzeitbehandlungen mit einem Umfang von bis zu 300 Stunden können länger dauern. Hierdurch entstehen Ihnen jedoch keine zusätzlichen Kosten. Denn die Seminargebühren sind auf das dreijährige Curriculum begrenzt, während Supervision und Selbsterfahrung durch die erzielten Behandlungshonorare abgedeckt werden.

Während der gesamten Weiterbildungszeit führen wir in regelmäßigen Abständen Gespräche über den Fortgang mit Ihnen. Unser Anliegen ist es dabei, Sie bei der Gestaltung des Verlaufs Ihrer Weiterbildung zu unterstützen und ggf. Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Um die Zusatzbezeichnung „Psychoanalyse“ führen zu können, müssen Sie in aller Regel eine Prüfung bei der für Sie zuständigen Ärztekammer absolvieren. Auch hier können die Regularien unterschiedlich sein. Für weitere diesbezügliche Informationen wenden Sie sich daher an Ihre Ärztekammer. Die für die Anmeldung erforderliche Bescheinigung mit dem Nachweis der vorgeschriebenen Weiterbildungsbestandteile erhalten Sie von uns.

Unser Weiterbildungsangebot entspricht den Standards der DGPT. Diese sehen eine schriftliche Abschlussarbeit über eine psychoanalytische Langzeitbehandlung, sowie ein mündliches institutsinternes Kolloquium über diesen Fallbericht vor. Mit diesem Abschluss haben Sie die Möglichkeit, in unserem Institut und in der DGPT Mitglied zu werden, was interessante fachliche und berufspolitische Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet. Gleichwohl steht es Ihnen natürlich auch frei, Ihre Weiterbildung ohne Institutskolloquium abzuschließen.

Kostenübersicht

Das Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Heidelberg-Mannheim e. V. ist ein gemeinnütziger Verein und arbeitet als solcher nicht gewinnorientiert. Das Honorar, was Sie für Ihre Behandlungen erhalten, geben wir nach Abzug einer Betriebskostenpauschale an Sie weiter. Dieses ist aufgrund der hohen Anzahl an Behandlungsstunden beträchtlich, so dass Sie die Seminargebühren, die Supervision und die Lehranalyse komfortabel gegenfinanzieren können.

Die folgende Modellrechnung zeigt die Bilanz von Einnahmen und Kosten für die fünfjährige Weiterbildung zur Zusatzbezeichnung „Psychoanalyse“. Diese Modellrechnung basiert auf den aktuellen Vorgaben der Weiterbildungsordnungen, unseren aktuellen Gebührensätzen, sowie den aktuellen Honoraren für Lehranalyse und Supervision. All diese Zahlen können nicht garantiert werden und sich ändern. Wir bitten daher um Verständnis, dass die Modellrechnung unverbindlich ist.

Modellrechnung für die fünfjährige kombinierte Weiterbildung zur Zusatzbezeichnung „Psychoanalyse“

EinkünfteBetragAnzahlSumme

Behandlungsstunden

89,60 €

1000

89.600 €

Erstinterviews (EBM: 35140, 35142, 2x35151)

148,98 €

20

2.980 €

Summe Einkünfte

  

92.580 €

    
Kosten   

Jahresgebühr als Ausbildungsteilnehmer/-in am IPP

-1.000,00 €

5

-5.000 €

Betriebskostenabschlag Ambulanz

92.580,00 €

-25%

-27.625 €

Lehranalyse

-90,00 €

250

-22.500 €

Supervision (einschließlich Erstinterviews)

-90,00 €

270

-24.300 €

Summe Kosten

  

-79.425 €

Saldo über die gesamte Weiterbildung

  

13.155 €

Diese Aufstellung kann lediglich als Anhalt dienen. Mehrkosten können z. B. entstehen:
• wenn Sie die Lehranalyse über die Mindestanforderung von 400 Stunden hinaus fortsetzen
• wenn Sie sich für eine Mitgliedschaft in der DGPT qualifizieren wollen
• wenn Sie den Zeitraum von drei Jahren für das theoretische Curriculum im zweiten Abschnitt der Weiterbildung verlängern
• wenn Sie für die Seminare nach Heidelberg reisen und dort übernachten

Bewerbung und Zulassung

Haben Sie Fragen zur Weiterbildung? Gern steht Ihnen unsere Ausbildungskoordinatorin, Frau Gudrun Rißmann, telefonisch (06221 – 65 89 36), per E-Mail (ausbildung[at]ipp-heidelberg.de) oder persönlich im Institut, Alte Bergheimer Straße 5 in 69115 Heidelberg, zu Verfügung.

Für Ihre Bewerbung drucken Sie unser Bewerbungsformular für Ärzte aus und senden es ausgefüllt zusammen mit den dort aufgeführten Unterlagen an Frau Rißmann.

Nach Eingang Ihrer Bewerbung erhalten Sie von uns die Kontaktdaten der Lehranalytikerin bzw. des Lehranalytikers, die bzw. der mit Ihnen das Zulassungsinterview führen wird. Bitte vereinbaren Sie mit ihr bzw. ihm einen Gesprächstermin.

Das Aufnahmeinterview hat drei Funktionen: Zum einen möchten wir Sie persönlich kennenlernen. Zum zweiten geht es in dem Gespräch darum, anhand Ihrer Zielsetzungen und Ihrer aktuellen Lebenssituation einen Weiterbildungsweg in der Vielfalt der berufs- und sozialrechtlichen Möglichkeiten zu finden, der sich mit Ihren Zielen bestmöglich deckt und Ihnen genügend Flexibilität bietet. Zum dritten sollen eventuelle Hinderungsgründe für die Eignung zu einer psychotherapeutischen Tätigkeit ausgeschlossen werden.

Ihr Gesprächspartner erstellt über das Aufnahmeinterview eine Stellungnahme, die für den Zulassungsausschuss unseres Instituts die Grundlage für die Entscheidung über Ihre Bewerbung darstellt. Diese Entscheidung teilt Ihnen dann der Vorsitzende des Zulassungsausschusses mit. Ist sie positiv, senden wir Ihnen den Weiterbildungsvertrag zu, mit dessen Unterzeichnung Ihre Weiterbildung rechtsverbindlich beginnt.

Datenschutz

Wenn Sie sich bei uns bewerben, werden die Daten, die Sie im Bewerbungsformular angeben, von uns gespeichert und verarbeitet. Das ausgefüllte Formular und die weiteren von Ihnen eingereichten Unterlagen sind nur unserer Ausbildungskoordinatorin, Ihrem Gesprächspartner im Zulassungsinterview, sowie dem Leiter und den Mitgliedern des Zulassungsausschusses zugänglich, die über Ihre Bewerbung entscheiden. Dies gilt auch für den Bericht, den Ihr Gesprächspartner über das Zulassungsinterview erstellt. Kommt ein Vertrag mit uns zustande, werden diese Daten und Dokumente bis längstens 6 Monate nach dessen Beendigung gespeichert bzw. verwahrt. Wenn nicht, erfolgt spätestens 6 Monate nach der Entscheidung des Zulassungsausschusses die Löschung der Daten und die Rückgabe bzw. Vernichtung der Dokumente.

Zusätzliche Informationen und wichtige Links

Für die Dauer Ihrer Ausbildung sind Sie außerordentliches Mitglied unseres Instituts: Sie werden zu den Veranstaltungen eingeladen, erhalten die Mitgliederinformationen und haben in der Mitgliederversammlung Stimmrecht.
 
Ebenfalls für die Dauer Ihrer Ausbildung haben Sie die Möglichkeit, außerordentliches Mitglied der DGPT zu werden. Hier besteht die Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs mit den Teilnehmern anderer Institute, sowie der Teilnahme an den Jahrestagungen. Darüber werden in der DGPT Bundeskandidatensprecher gewählt, die den Bedürfnissen der Teilnehmer vor allem in berufspolitscher Hinsicht eine Stimme geben. 

  • Psychotherapeutengesetz + mehr 
  • Ansprechpartner in den Regierungspräsidien für den Antrag auf Erteilung der Approbation + mehr
  • Linkliste zu allen Landesärztekammern in Deutschland + mehr
  • Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer Baden-Württemberg + mehr
  • Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapeuten + mehr
  • Homepage der Bundespsychotherapeutenkammer + mehr
  • Homepage der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg + mehr
  • Homepage der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie e.V. (DGPT) + mehr